Amaris über “Strassensoul”, Ghostwriting, deutsche R’n’B Szene, Zusammenarbeit mit Kool Savas und Automatikk uvm.

Amaris ist schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Bereits auf zahlreichen Tracks u.a. mit Kool Savas, Franky Kubrick oder auf Caspers Debütalbum “Hin zur Sonne” war der Stuttgarter bereits zu hören. Vor dem Release seines Debüt-Albums erschienen auf Youtube zahlreiche Live-Aufnahmen und Teaser, die erste Einblicke in sein Solo-Schaffen und seinen eigenen Stil gaben.

Spit-TV.de sprach mit Amaris über sein erstes Solo-Album “Strassensoul” (Bestellen), den Ansatz, seinen Stil, Feindbilder, Ghostwriting, die deutsche R’nB Szene und vieles mehr.


Am 5.10. erschien Dein Album “Strassensoul”. Kommen wir erstmal auf die Album-Facts zu sprechen. Wie lief der Produktionprozess ab?

Das Album wurde zum grössten Teil in Hannover bei Bazz aufgenommen. Ein paar Songs allerdings auch hier in Stuttgart im Strassensoul Studio. Den Song mit Savas haben wir in Hamburg bei Sinch & Ken Kenay aufgenommen. Bei meinem ersten Album habe ich mir bewusst etwas mehr Zeit genommen. Mir war es wichtig einen Klassiker für mich persönlich zu erschaffen.

Auf dem Album sind Songs drauf, die bereits etwas älter sind, trotzdem stehe ich zu ihnen wie am ersten Tag. Das bestätigt mich in meiner Handlung.

Welchen Ansatz verfolgst Du mit “Strassensoul”? Erkläre doch mal Deinen persönlichen Stil.

Es geht um die Seele der Straße. Jeder, der mein Album von Anfang bis Ende hört wird wissen was ich mit “Strassensoul” meine. Ich persönlich wollte eine Platte machen, die sich ein wenig von anderen Soul Alben unterscheidet. Ich habe viele Themensongs. Und auch das Wort “Strasse” bekommt eine andere Bedeutung, als man sie bisher kennt. Hört Euch meine Platte bitte an.

 

Auf dem Album featurest Du u.a. Automatikk und Kool Savas. Wie kam der Kontakt zustande und wie habt ihr an den Songs gearbeitet?

Savas kenne ich jetzt seit 2006. Ich bin damals zusammen mit Franky mit auf die Optik Takeover Tour gegangen. Wir sind seither gute Freunde und haben den Kontakt immer aufrecht erhalten. Die Jungs von Automatikk habe ich letztes Jahr auf einem gemeinsamen Konzert in Basel kennengelernt. Das sind in meinen Augen zwei unglaublich gute Strassenrapper, die Technik und Inhalt gut miteinander kombinieren. Daher war es für mich klar das sie auf “Strassensoul” gefeaturet werden müssen. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und haben gegenseitig Respekt für die Arbeit des anderen. Ich habe dann später die Jungs mit Savas zusammengebracht und auch da sind unglaublich tolle Songs entstanden. Ich finde gute Menschen muss man zusammen bringen!

Zahlreiche Produzenten haben an dem Album mitgearbeitet. U.a. Sinch, Lex Barkey, Aslan Beatz uvm. Wie bist Du die Beatauswahl angegangen? Hast Du mit allen Produzenten auch persönlichen Kontakt oder hast Du Dir einfach jede Menge senden lassen und dann selektiert?

Für mich ist es sehr wichtig, dass ich mit den Leuten mit denen ich Musik mache auch wirklich befreundet bin und sie mal persönlich getroffen habe. Ich habe also erst die Leute dann die Arbeit desjenigen kennengelernt. Ich kenne also jeden, der auf meinem Album ist persönlich und habe einen guten Draht. Meist war ich dann mit dem Produzent zusammen im Studio und habe gezielt Beats ausgesucht.

Im Album Trailer singst Du u.a. über “R’n’B Schwuchteln”. Wer ist für Dich eine R’n’B Schwuchtel? Definiere doch mal Dein “Feindbild”.

Ich werde jetzt hier keine Namen nennen. Der Song darf auch nicht falsch verstanden werden. Ich finde nicht jeden der R’n’B macht schlecht. Nur kommt es mir hoch wenn ich manche Leute sehe, die sich selbst zu ernst nehmen und denken sie seien etwas ganz besonderes, bloss weil sie singen können. Es gibt Menschen, die da draussen jeden Tag Menschen Leben retten und nicht auf Wolke sieben schweben. Ausserdem wird diese Musik meist sehr berechnend gemacht. Jeder Sänger, der sich jetzt angesprochen gefühlt hat, muss sich doch selbst eingestehen, dass er einer ist. Auch wenn ich nicht ihn gemeint habe. lacht

Verfolgst Du die Releases Deiner Gesangs-Kollegen wie Joy Denalane, J-Luv, Moe Mitchell oder Manuellsen? Welche Künstler schätzt Du im deutschen R’n’B?

Klar, ich verfolge sie natürlich alle. Ich schätze auch alle die du genannt hast. Ich finde auch Moe Phoenix, Jonesmann, Josof, Mic Donet, Secret Lovers, Cesur, Ciaan, Samir, Vasee uvm. sehr gut. Ich finde Deutschland hat ganz viel Seele und ich denke auch, dass sich Soul in den nächsten Jahren in Deutschland krass entwickeln wird. Wir haben es zwar nicht ganz so einfach, aber ich sage immer “Nichts was gut ist, wird einfach sein“.

Moe Mitchell, der ebenfalls auf dem Album vertreten ist, hat vor kurzer Zeit sein MMS Album veröffentlicht. Das Songwriting haben größtenteils Kool Savas und Franky Kubrick übernommen.
Wie gehst Du an Texte ran? Schreibst Du selbst oder holst Du Dir ebenfalls Unterstützung?

Ich schreibe meist alles selbst. Aber ich habe kein Problem damit zusammen mit Franky oder jemand anderem auch einen Text fertig zu schreiben. Oft komme ich mit Beat, Thema und einer Hook. Es wird also niemals einen Song geben der komplett von jemand anderem geschrieben wurde und ich es dann nur noch einsinge. Dafür bin ich zu eigen. Aber das zusammen schreiben funktioniert auch nicht mit jedem. Derjenige muss mich schon gut kennen und die Wortwahl muss auch zu mir passen. Es gab schon oft Momente, in denen ich gesagt habe das kann ich so nicht sagen, das bin nicht ich.

Aktuell ist ja Ghostwriting wieder ein Thema. MoTrip soll ein komplettes Baba Saad Album geschrieben haben. Wie siehst Du die Diskussion?

Das muss jeder für sich selbst wissen. Ich weiß, das ich auch selbst schreiben kann. Am Ende des Tages geht es um die Musik und wenn diese besser ist wenn man gemeinsam daran arbeitet, spricht doch nichts dagegen.

Beobachtest Du generell die Rapszene oder siehst Du Dich als R’n’B Sänger etwas außen vor?

Ich beobachte sie extrem! Ich weiß einfach alles und bekomme auch alles mit. Eine Soul oder RnB Szene gibt es leider noch nicht wirklich. Aber ich habe da paar gute Ideen mal sehen ob meine Kollegen da mitziehen.

Du veröffentlichst “Strassensoul” über Major Movez. Dj Gan-G ist ja auch der Manager von u.a. Fler. Wie kam der Kontakt zustande und wie trafst Du die Entscheidung dort zu releasen?

Ich hatte in der Vergangenheit ganz viele Möchtegern Manager, die einem sagen wollen wie man es richtig macht. Ein guter Künstler ist wie ein Stein. Diesen kann man nicht verbiegen. Oft haben diese Leute eine Vorstellung und nur Geld im Kopf. Da ich aber sehr gute Menschenkenntnisse habe erkenne ich relativ schnell wer nur redet und wer wirklich was drauf hat. Ich habe alle Manager und Label-Angebote abgelehnt und habe dann in meinem Umfeld einfach geschaut wer seine Arbeit gut macht und mit wem ich mir es vorstellen könnte zu arbeiten. Ich muss sagen, dass Gan-G auf der Rangliste ganz oben stand. Er war auch der erste den ich gefragt habe. Mir war es eben auch wichtig das ich einen Geschäftspartner habe der das Produkt “Amaris” so wie es ist annimmt. Gan-G mischt sich also null in meine Arbeit ein. Ich habe einen Bandübernahme Vertrag und konnte alles selbst entscheiden und kam mit einem fertigen Produkt zu Major Movez.

Auf Stuttgart ist aktuell verstärkt der Fokus. Die Orsons, Max Herre, Cro aber auch Macht Rap. Nimmst Du diese Entwicklung positiv wahr oder ist das ganze für Dich nur ein Hype?

Ich nehme es natürlich wahr. Ich freue mich für die Jungs. Man kennt sich auch über die Jahre und wir haben alle Respekt für einander. Stuttgart ist Familie!

Du bist also mit manchen Leuten aus den oben genannten Camps auch befreundet?

Ich bin mit allen befreundet. Mein Freund Kodimey hat mir für mein Album gratuliert. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Die Jungs waren bei meiner Releaseparty leider nicht am Start. Da sie mit Cro bei Wetten dass…? gewesen sind. Sonst wären sie sicherlich auch gekommen. Jaysus hatte leider Fieber und konnte auch nicht kommen. Aber der Rest der MRG (Macht Rap Gang) war am Start. Ich habe zusammen mit Musiye, Dino, Rapsta, Baris und Seko meinen Release gefeiert. Unglaublich gute und talentierte Jungs. Wie schon gesagt Stuttgart ist Familie. grinst

Du warst bereits auf Caspers Debütalbum “Hin zur Sonne” zu hören. Wie hast Du seinen Erfolg verfolgt?

Ich freue mich für Casper. Er schreibt unglaublich tolle Texte. Ich habe leider länger keinen Kontakt mehr zu ihm. Er hat mich damals gefragt ob ich auf seinem Album singen möchte. Ich habe nachdem ich den Song gehört habe sofort zugesagt. Im Nachhinein bin ich ein wenig enttäuscht aber das kläre ich mit dem jungen Herren sobald wir uns wieder über den Weg laufen.

Casper gilt ja auch als einer der Wegbereiter für neue Künstler wie Ahzumjot, Rockstah, Gerard uvm. im Deutschrap. Wie nimmst Du diese Entwicklung wahr?

Ahzumjot finde ich gut.

Was ist nach dem Release von “Strassensoul” geplant? Arbeitest Du gleich an neuem Material oder wartest Du erst die Resonanzen ab?

Nein, ich warte keine Resonanz ab. Ich habe schon einen Arbeitstitel. “Hingabe” soll das gute Stück heißen. Ich habe die Platte schon zu 70 % fertig und werde es wenn Gott so will 2013 rausbringen. Mit der ersten Platte habe ich mir genug Zeit gelassen. Aber in Zukunft möchte ich am Ball bleiben und die Leute nicht mehr solange warten lassen.

Hast du noch ein paar abschließende Worte an die Leser?

Kauft bitte mein Album und bleibt gesund.

Vielen Dank für das Interview & viel Erfolg mit dem Album!

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