Was ist guter Rap?

Durch das Battle von Separate gegen Takt32 (ansehen) wurde dem Zuschauer jüngst ein Kontrast, der über die letzten Jahre entstand, zum ersten mal knallhart vor Augen geführt.

Der Mainzer reicherte seine geschriebenen Texte zur Teilnahme beim Champions League Battle im Rahmen von “Rap am Mittwoch” mit zahlreichen technischen Passagen und Mehrfach-Reimen an, während Takt 32 vereinzelt auch mal auf einen einfachen Reim zurückgriff, jedoch seinen Schwerpunkt auf die Performance und die Prägnanz seiner Punchlines setzte.
Im Laufe der drei Runden und der Abfolge der Parts wirkte das Battle wie ein Aufeinandertreffen zweier Welten.
Separate packte virtuose Flowkombinationen aus, setzte gute Reime und variierte gefühlt alle vier bis acht Bars, während Takt32 eher mit einem Gedicht artigen Vortrag das Publikum mit gut verständlichen und gut vorbereiteten Punchlines zum Lachen animierte.
Takt32 ging als Sieger aus dem Battle.

Selbst der King of Rap Kool Savas, der sich das Battle vor Ort ansah, erklärte im Eifer des Gefechts im Interview kurz nach dem Ende des Battles Takt32 zum Sieger. Kurze Zeit später revidierte er seine Meinung wieder via Videobotschaft (ansehen).

Separate erklärte mehrmals im anschliessenden Videointerview und auf seinen Social-Media-Kanälen, dass die Crowd “Scheiße” und gegen ihn eingestellt gewesen sei. In Mainz hätte das anders ausgesehen.

Das führt zur Frage:

Was ist eigentlich guter Rap heutzutage?

Sind die Bewertungskritierien nach wie vor Flows, ausgefeilte Patterns und mehrsilbige Reime oder sollte man diese Richtlinien, die irgendwann Ende der 90er scheinbar erhoben wurden mal überdenken?

Auch auf Tonträgern findet dieser Krieg der Welten aktuell statt. Samy Deluxe kündigte an nach seinem virtuosen Projekt Herr Sorge wieder zurück zu seinen Rapwurzeln zu gehen. Nach dem kommerziellen Misserfolg und dem fehlenden Kritiker-Impact von “Verschwörungstheorien mit Schönen Melodien” wohl auch die strategisch richtige Entscheidung.

Vor zwei Wochen veröffentlichte er als Vorbereitung zu seinem Album “Männlich” das Mixtape “Perlen vor die Säue“. Auch hier ist in Sachen Flows und Reimen nichts zu bemängeln, nur sollte man sich wie im Falle von Separate auch mal die Frage stellen, ob trotz Technikpräsentation manche Lines und Attitüden einfach noch zeitgemäß sind.

Ironischerweise bekam diesen Balanceakt zumindest live jüngst ein Rapper hin, der in den letzten Jahren ebenfalls nicht gerade durch innovativen Rap auffiel, sondern eher klassische Ansätze wählte und dann viel zu forciert mit gesungenen Hooks und ganz viel Pathos versuchte seine Reichweite an Fans zu vergrößern. Die Rede ist von Laas Unltd..

Das Video zum Battle gegen Drob Dynamic wurde von Rap-Veteranen über neue Künstler, von Old- über New-School-Fans wie noch nie zuvor ein deutsches Live-Acapella-Battle geteilt, getwittert und kommentiert.

Lass Unltd. kündigte daraufhin gleich sein neues Album an. Business as usual.

Das Battle zwischen Separate und Takt32 könnt ihr hier nochmal ansehen.

Das Battle zwischen Laas Unltd. und Drob Dynamic könnt ihr hier ansehen.

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