Samy Deluxe – Männlich (Review)

Nachdem Samy Deluxe mit seinem Projekt “Herr Sorge” und mit dem Release des Mixtapes “Perlen vor die Säue” die Rapfans mit gemischten Gefühlen zurückliess, kündigte er Anfang 2014 stolz den Release von “Männlich“, mit einer ersten Single mit den Fantastischen Vier und einem eigenen, gleichnamigen TV Format auf DMAX an.

Samy kündigte zwar bereits mit seinem Mixtape “Perlen vor die Säue” an wieder zurück zu seinen Wurzeln, dem straighten Rap, zu gehen blieb dieser Besinnung auf seine Essenz leider mit dem Release nach wie vor schuldig.
Perlen vor die Säue” sollte irgendwie ein reines Mixtapes verkörpern, das auch tatsächlich von DJ Mixwell gemixt wurde, schwing dann aber rap- und beatstechnisch wieder irgendwo zwischen aufgesetztem künstlerischen Anspruch und musikalischer Vielfalt.

Der Hamburger sagte mal in einem Interview, dass er sich für den “intellektuellsten” deutschen Rapper halten würde. Nach derartigen Aussagen muss sich ein Künstler gefasst machen auch an wesentlich höheren Kriterien gemessen zu werden.

Jetzt ist “Männlich” erhältlich. Ein erfahrener und durch diverse Ausflüge und Fehltritte reifer gewordener Künstler veröffentlicht sein neuestes Werk. Soviel zur Ausgangssituation.

Gleich mit “Habt ihr mich vermisst” stimmt er die klassischen Rapfans auf Anhieb positiv. Samplelastiger, variierender Beat und Sams gewohnt variable Rapskills. Da war doch was. Nicht zu unrecht wurde der Hamburger jahrelang als einer der begnadetsten deutschen Rapper gehandelt.

Offenes Herz” ist vom Ansatz ein sehr gelungener Song, der mit Organ-Lines, organischem Bass und Mine in der Hook einen angenehmen Retro-Vibe kreiert. Kleine Anmerkung: Muss die Pre-Set Snare wie auf Akons “Locked up” wirklich sein? Mit “BlaBlaBla” wird der Retro-Vibe beibehalten und schön stimmig mit der Sängerin Yakoto umgesetzt.

Wortspiele in Songtiteln sind so ein Hamburger Ding, das zuletzt Marteria mit seinen Alben am Leben hielt.Der letzte König von Schrottland” ist dann eine abstrakte Kritik unseres alltäglichen Konsums. Yoah. Inhaltlich und musikalisch nichts weltbewegendes mit einem Beatswitch am Ende, der bestimmt live ganz gut funktioniert.

Mit “Problem” rappt Samy irgendwie anfänglich über sein Nuscheln, später geht es um psychische Probleme und dann ums Stottern. Der Track hätte auch gut und gerne auf ein Mixtape gepasst.

Fantasie Pt. 1” klingt wie ein zusammenhangsloser Freestyle, flowtechnisch nicht hatebar jedoch bereits nach zwei Minuten ziemlich nervend. Die Hook hätte auch für das Projekt “Herr Sorge” gepasst.

Auf “Klasse Klassiker” lässt Sam dann seine Reggae-Liebe neu aufleben und reflektiert mit häufiger Benutzung des Wortes “Klasse” etwas seine Karriere.

Die Hook ist sicherlich Geschmackssache, doch vom Song ist “Traum” einer der stärksten des Albums.

Liebe in der Discotheque” vermittelt wieder das Gefühl, dass Samy nach wie vor denkt etwas Distortion, 8 Bit Crusher und Autotune/Vocoder schaffen eine eigene Atmosphäre wie Kanye West es vormachte. Falls hier ein Daft Punk Moment entstehen sollte, ist das leider auch nicht geglückt.

Jetzt wurde scheinbar mit “Das Paradies“, “Kleine Liebe” und “Schaukelstuhl” der eher electroidere Part der Platte eingeleitet. “Verbotene Früchte“, auch als Video ausgekoppelt, handelt von den Verlockungen des vergebenen Mannes. Yoah.

Mit “Penis” gibt es dann endlich mal wieder ein musikalisches Highlight. Als Featuregast konnte der Four-Music-Künstler Flo Mega gewonnen werden. Stimmige Zusammenarbeit und mit “Traum” und “BlaBlaBla” ein weiteres Highlight des Albums.

Die gesungene Line “Ein Mann muss tun was ein Mann tun muss, doch oft weiss ein Mann nicht was er tun muss” zu Beginn des Songs “Mann muss tun” lässt schlimmes erahnen. Die Parts zwischen der wiederholenden Hook sind dann völlig ok und musikalisch auch gut in Szene gesetzt.

Auf dem finalen Song (der Standardedition) “Halt Dich gut fest” mit den Fantastischen Vier werden dann Breakbeats zelebriert und auf einen Beat in Chemical-Brothers-Manier raptechnisch geflext. Die Fantas in der Hook sind hier leider komplett austauschbar.

Fazit:

Scheinbar ist es für Samy Deluxe aktuell unmöglich ein klassisches Rapalbum zu schaffen, das sein Bild der letzten Ausflüge mal wieder klarrückt und beweist, dass er nach wie vor einer der besten deutschen Rapper ist. Raptechnisch gibt es an “Männlich” nichts zu kritisieren und flowtechnisch ist das ganze sicher nach wie vor einzigartig, jedoch sollte zukünftig vielleicht mehr Arbeit und Innovation in die inhaltliche und musikalische Umsetzung gesteckt werden, oder einfach mal wieder ein gottverdammtes Rapalbum gemacht werden. Dicke Eier, geile Beats und ein Samy Deluxe in Hochform.

Bewertung:

Highlights:

3. BlaBlaBla feat. Yakoto
8. Traum
14. Penis feat. Flo Mega

Videos zum Album:

► Halt Dich gut fest feat. die Fantastischen Vier

► Verbotene Früchte

► Hallo (D.E.L.U.X zum E.)

Download: Samy Deluxe – Männlich

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