Haftbefehl wurde jetzt vom ehemaligen Chefredakteur der JUICE Davide Bortot u.a. zu seiner politischen Sicht befragt und erklärt, dass er viele Aussagen und Ansichten aus der Vergangenheit indirekt bedauere. Der Offenbacher erklärt die oftmals einseitige Sicht der Menschen:
“Du musst verstehen: Ich bin in einem Bezirk aufgewachsen, in dem alles, was nicht aus deinem unmittelbaren Umfeld kommt, automatisch schlecht ist. Alles, was nicht türkisch, arabisch oder kurdisch ist; alles, was nicht von deinen Freunden kommt, ist automatisch der Teufel. Das wird gar nicht hinterfragt. Diese Leute hassen alles, was es dort nicht gibt. Ich war genauso, und ich schäme mich heute dafür. Aber ich war 19, 20 Jahre alt. Ich habe einfach das gesagt, was alle gesagt haben. Ich respektiere alle Religionen, für mich ist das selbstverständlich. Wo ich herkomme, sehen das leider viele anders – weil sie nichts anderes kennen als ihren Block und sich deshalb nicht ihre eigene Meinung bilden können. Das ist das Problem.”
Auch auf seine kurdischen Wurzeln kommt der Azzlackz-Chef zu sprechen und über das polarisierende Thema der “Errichtung eines Staates Kurdistan”.
“Was würde ein Staat Kurdistan an den Problemen ändern? Im Endeffekt sind die Kurden in der Türkei sehr akzeptiert. Die Sprache wird an den Schulen gelehrt, keiner muss seine Kultur verstecken. Die Errichtung eines Staates Kurdistan ist als Idee natürlich was Schönes – auch wenn es ein ganz schönes Durcheinander wäre. Aber ich glaube nicht, dass es dem kurdischen Volk in einem solchen Staat besser gehen würde.”
Zu den ISIS-Aktivitäten in Syrien hat Haft auch eine ganz klare Meinung.
“Jedenfalls ist das nicht im Namen Gottes, was da unten passiert. Es geht um Macht, es geht um Geld. Worum es halt immer geht im Krieg … […]
Die sagen, sie wollen Schiiten und Alleviten töten. Aber sie bringen selbst Sunniten um. Das ist einfach völliger Schwachsinn – selbst wenn man versucht, ihrer Argumentation zu folgen. […]
Wenn Leute aus Tschetschenien oder Afghanistan da hingehen, kann man sich das also gerade noch irgendwie erklären. Ich finde das nicht richtig, aber man kann zumindest nachvollziehen, warum die durchdrehen und denken, das tun zu müssen. Aber bei irgendwelchen Ahmeds und Mustafas aus Frankfurt oder Hamburg ist es einfach nur verrückt: Du bist in Deutschland aufgewachsen, und jetzt gehst du nach Syrien, um Menschen umzubringen? Was machst du da?!? Komm mal zu dir!”
Das komplette Interview könnt ihr hier lesen!
